Smarte Speicherstadt - Städtisches Speichermanagement durch Aktivierung und übergeordnete Steuerung der verfügbaren Strom-Wärmespeicher

01.06.2017 bis voraussichtlich 31.05.2018

Im Sondierungsprojekt Smarte Speicherstadt spielen Energiespeicher (Strom, Wärme, Kälte) für die Bereitstellung von Flexibilität eine zentrale Rolle. Elektrische Speicher (dezentrale PV-Stromspeicher, mechanische Speicher, Batterien der E-Mobilität etc.) werden dabei mit thermischen Speichermöglichkeiten (z. B. Speichermasse von vorhandener Infrastruktur) verknüpft, damit man die thermische Trägheit und Speicherfähigkeit im Sinne eines funktionalen Speichers bestmöglich nutzen kann. Diese Potenziale sind im Spartenverbund von Strom und Wärme besonders groß. Durch den Einsatz von Power-to-Heat-Technologien können Wärmespeicher als funktionale Speicher fungieren. Diese können zusätzliche Flexibilität für das Energiesystem bereitstellen, die deutlich größer ist als jene durch bloße Lastverschiebung auf Ebene der Stromnetze.

Erste Abschätzungen zeigen, dass in der Stadt Neulengbach ein „virtueller“ Speicher mit einer kumulierten Größe von mind. 300 MWh durch Ausschöpfung sämtlicher Flexibilität in das System integrierbar wäre. Mit diesem Speicher sollte es möglich sein, RES-Überschüsse und Unterversorgungen des übergeordneten Energiesystems zu kompensieren. Dies hat in Niederösterreich eine besondere Bedeutung, da es das Bundesland mit der höchsten installierten Leistung an Windenergie in Österreich ist. Zur dafür zukünftig notwendigen Flexibilität will die Stadtgemeinde Neulengbach einen Beitrag leisten, indem ein Konzept für einen virtuellen Energiespeicher entwickelt werden soll. Die Komplexität und Interkonnektivität des Energiesystems bietet hier weitläufige Möglichkeiten Energie in den unterschiedlichsten Formen zu speichern und stellt gleichzeitig die Ausgangssituation für die technische Innovation des zugrundeliegenden Projektes dar.

Ein Ziel dieses Projekts ist somit die Untersuchung der Umsetzbarkeit einer Speicherstadt durch die Implementierung und Verknüpfung von unterschiedlichen Energiespeichern bzw. Flexibilitäten in einem intelligenten und vernetzten System. Dieses System soll über die notwendige Mess- und Regelinfrastruktur verfügen und die Herausforderungen der Stadt und der umliegenden Region berücksichtigen.

Das zweite Ziel befasst sich mit den NutzerInnen und der BürgerInnenbeteiligung im Sinne der nachhaltigen Stadtentwicklung. Aus den umfassenden Erfahrungen des Konsortiums ist bekannt, dass hierbei klassische Beteiligungsmodelle, wie das Einrichten von Arbeitsgruppen, für eine nachhaltige BürgerInnenbeteiligung in Smart City-Projekten nicht mehr zeitgemäß ist. Das zugrundeliegende Projekt verfolgt daher neuartige Methoden der Partizipation und Aktivierung der Bevölkerung hinsichtlich der Teilnahme an technischen Innovationen. Die Akzeptanz soll durch die Erhöhung der Beteiligungsbereitschaft der NutzerInnen durch Einhaltung eines Mindestnutzens erfolgen. Hierfür müssen ausreichende Information an die NutzerInnen vermittelt werden. Um die Beteiligung in einem befriedigenden Ausmaß im Sinne der Nachhaltigkeit zu garantieren, sollen zu Beginn sogenannte Gate Keeper (wichtige Personen innerhalb der Stadt) identifiziert werden, um im Sinne eines Peer to Peer Transfers (Kommunikation unter Gleichen) die gewünschten Effekte zu erzielen.

Die nachhaltige Einbindung und Motivation der NutzerInnen soll dabei in mehreren Stufen in für die NutzerInnen angepasstem Tempo erfolgen. Zu Beginn steht hier jeweils die Stufe der Sensibilisierung und Aufklärung (z. B. im Zuge des Projektstarts) deren Ziel es ist, die Motivation und Interesse an den technologischen Lösungen zu wecken. Aufbauend darauf kann ein Empowerment erfolgen, welches den Aufbau von anwendungsorientiertem Wissen und entsprechenden Fähigkeiten zur Erhöhung der Selbstbestimmung der NutzerInnen ermöglicht. Hier erhöht die NutzerInnenmotivation vor allem ein ausgewogenes Verhältnis der Interventionsbefähigung bei gleichzeitiger Beachtung des Laienwissens, d.h. jeder NutzerInnengruppe soll zu ihr selbst und zum technischen System passende Adaptierungen / Eingriffe selbst durchführen können. Das Projekt ist daher durch eine fachliche Begleitung bzw. laufende Feedbackmöglichkeit, aber auch von der Förderung der Kooperation bzw. der Vernetzung der NutzerInnen gekennzeichnet. Etwaige freiwillige Ansprechpersonen können dabei bei Fragen vor Ort direkt bzw. bei regelmäßigen Treffen mit den Technologiespezialisten weitere Akzeptanz schaffen. Ein fortgeführter Erfahrungsaustausch auch nach der Startphase ermöglicht im Anschluss den nachhaltigen Betrieb der Technologien. Das Projektteam weist hinsichtlich der genannten Methoden betreffend BürgerInnenbeteiligung und Partizipation qualitativ hochwertige Erfahrungen und Referenzen auf. Zusätzlich bieten die Partner Stadtgemeinde Neulengbach und Burg 2025-Personenkomitee die Mitarbeit stark verwurzelter Multiplikatoren in Neulengbach. Dadurch soll einerseits die Aktivierung von Bürgerinnen und Bürgern für die Teilnahme am Prozess ermöglicht werden. Durch die neuartige methodische Herangehensweise des Beteiligungsprozesses („Governance Experimentation“) wird daher die Neugierde und das Interesse der Bevölkerung an der Mitwirkung nachhaltig geweckt.

Der innovative Aspekt des Projektes beruht daher nicht nur auf der technischen Innovation, sondern auf einer partizipativen Herangehensweise zur Aktivierung / Akzeptanzschaffung der Bevölkerung hinsichtlich technischer Innovationen. Am Ende des Sondierungsprojektes steht somit eine mit der Bevölkerung abgestimmte Roadmap samt ausgearbeiteter Umsetzungsmaßnahmen als Aktionsplan zur Verfügung, welche in den nächsten Jahren durch verschiedene Finanzierungs- und Betreibermodelle in Neulengbach umgesetzt werden sollen.

Projektpartner

  • Stadtgemeinde Neulengbach
  • Burg 2025 – Personenkomitee Burg Neulengbach
  • im-plan-tat Raumplanungs GmbH & CO KG
  • Dipl. Ing. Lothar Rehse - Büro für Ecodesign und Systemforschung
  • 17&4 Organisationsberatung GmbH
  • message Marketing- und Communications GmbH


Dieses Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen des Programms „SMART ENERGY DEMO“ durchgeführt.

Weitere Informationen unter www.smartcities.at